Terror – Zur Kritik der politischen Gewalt

Eine Veranstaltungsreihe des Referats für politische Bildung des AStA der Universität Bonn

Kategorie: Filmreihe

Das Testament des Doktor Mabuse

Ein Film von Fritz Lang, Deutschland 1933, 115 Minuten

„Die Seele der Menschen muss in

ihren tiefsten Tiefen verängstigt

werden durch unerforschliche und

scheinbar sinnlose Verbrechen …

Verbrechen, deren Zweck nicht einmal

die erfassen, die sie ausüben …

Verbrechen, die niemandem Nutzen

bringen, die nur den einen Sinn haben,

Angst und Schrecken zu verbreiten!“

(aus dem Testament des Dr. Mabuse

„Herrschaft des Verbrechens“)

Dem Wahnsinn verfallen, sitzt das kriminelle Genie Dr. Mabuse in einer Irrenanstalt und schreibt stumm sein Testament nieder. Seit einiger Zeit ist Berlin zudem Schauplatz zahlreicher, anscheinend zweckfreier Anschläge, die die Polizei ratlos zurücklassen.  Kommissar Lohmann fahndet nach dem Drahtzieher der Verbrechen und ahnt bald, dass Dr. Mabuse hinter allem stecken könnte. Da stirbt Mabuse unerwartet, aber die Schreckenstaten hören nicht auf. Ist Mabuse etwa doch noch am Leben? Oder vollstreckt ein anderer des Doktors letzten Willen?

„Das Testament des Doktor Mabuse“ erzählt nur auf den ersten Blick eine spannende Kriminalgeschichte, sind doch in ihr bestimmende Momente des nationalsozialistischen Terrors chiffriert: der manifeste Wahnsinn (wie Hitlers im Gefängnis diktiertes „Mein Kampf“), die Entgrenzung von Gewalt, Zerstörung und Mord, die Aufrichtung eines undurchdringlichen Bandensystems, und nicht zuletzt der Hass auf die Freiheit, die sich nicht zuletzt auf dem Gefühl von  Sicherheit speist.  Das Werk des großen Regisseurs Fritz Lang entstand 1933 am Vorabend der nationalsozialistische Machtübernahme. Nachdem er es gesehen hatte, notierte der „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“, Joseph Goebbels, am 28.3.1933 in sein Tagebuch: „Film „Dr. Mabuse“ von Fritz Lang gesehen. Praktische Anleitung zum Verbrechen. Wird verboten.“

Die Vorführung findet am Donnerstag, den 14. November 2011 im Hörsaal 17 des Universitäts-Hauptgebäudes (Regina-Pacis-Weg, Bonn-Zentrum) um 20 Uhr statt.

Der Eintritt ist kostenfrei.

The Battle of Algiers

Ein Film von Gillo Pontecorvo, Italien/Algerien 1966, 121 Minuten, französisch- und arabischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Algier im Jahr 1957: Colonel Mathieu jagt mit seinen Soldaten in der verwinkelten Altstadt, der Kasbah, die Urheber immer neuer Bombenanschläge der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN, die sich zunehmend auch gegen Zivilisten richten. Die Aufständischen werden von Ali La Pointe befehligt, der  vom Kleinkriminellen zum Leiter des Widerstands aufsteigt.  Bei der Darstellung des antikolonialen Kampfes, der als  „Schlacht um Algier“ in die Geschichte eingehen sollte, wird nichts ausgespart. Sowohl die Grausamkeiten des Terrors wie des Gegenterrors, die  Folter von Verdächtigen durch die Franzosen und die Morde der algerischen FLN an „Verrätern“ und gesellschaftlichen Abweichlern, werden in den Blick genommen.

„The Battle of Algiers“ ist ein Film in der Tradition des italienischen Neorealismus und sowohl Dokumentar- wie Spielfilm, der dem Anspruch strenger Objektivität verpflichtet ist. Dieser Anspruch mag erklären, warum der Film  sowohl als gefeiertes Plädoyer gegen den Kolonialismus wie auch als Lehrfilm für Folterregime Verwendung finden konnte.

Die Vorführung findet am Mittwoch, den 16.11.2011 um 20 Uhr im Hörsaal 17 des Universitäts-Hauptgebäude (Englisches Seminar, Regina-Pacis-Weg) statt.

Der Eintritt ist frei.

Ein deutscher Terrorist – Die Geschichte des Hans-Joachim Klein

Ein Film von Alexander Oey, Deutschland/Niederlande 2006, 90 Minuten

Am 21.12.1975 überfallen sechs Terroristen die OPEC-Konferenz in Wien. Unter den Tätern ist der Deutsche Hans-Joachim Klein, der bei der Aktion schwer verletzt und später nach Algerien ausgeflogen wird. 23 Jahre bleibt er im Untergrund, dann stellt er sich den Behörden und wird zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er fünf absitzt. Der niederländische Filmemacher besucht Klein in der Normandie, fragt nach seinen Beweggründen, besucht mit ihm Stätten der Vergangenheit und stellt Kontakt zu ehemaligen Weggefährten her.

Vordergründig betrachtet, erzählt der Ex-Terrorist seine Geschichte vornehmlich selbst; nur hie und da fragt der Regisseur nach und geht mit dem Mittel des Off-Kommentars erfreulich sparsam um. Um so größer ist seine Leistung einzuschätzen, aus vermutlich unzähligen Stunden (Gesprächs-)Materials eine überaus eindrucksvolle, souverän montierte Dokumentation geschaffen zu haben. Über das Porträt eines Menschen, der sich von seiner Vergangenheit losgesagt hat, hinaus entstand eine dichte, sehr persönliche Zeitreise.

Die Vorführung findet am Donnerstag, den 17.11.2011 um 20 Uhr im Hörsaal 17 des Universitäts-Hauptgebäude (Englisches Seminar, Regina-Pacis-Weg) statt.

Der Eintritt ist frei.

Der Rebell – Neonazi, Terrorist, Aussteiger

Ein Film von Jan Peter, Deutschland 2006, 90 Minuten

Eine rechte Karriere von der Wiking-Jugend bis zur europaweiten Fahndung: Odfried Hepp war Deutschlands meistgesuchter Neonazi, Kämpfer der Palästinensischen Befreiungsfront und Informant des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Er organisierte Terroranschläge auf US-Truppen in Deutschland, trug zahllose falsche Namen und war jahrelang auf der Flucht. Aufgewachsen in einer auseinander fallenden Familie – mit Germanenkeller im Haus – und in einer zwischen APO und NPD zerrissenen Gesellschaft wurde Hepp zum radikalen Träumer von Heldentod und Rebellentum im Widerstand gegen den „aufgezwungenen Besatzerstaat BRD“.  Seine Biographie ist eine der unheimlichsten und zugleich bezeichnendsten Biografien der neuesten deutschen Geschichte.

Die Vorführung findet am Freitag, den 18.11.2011 um 20 Uhr im Hörsaal 17 des Universitäts-Hauptgebäude (Englisches Seminar, Regina-Pacis-Weg) statt.

Der Eintritt ist frei.